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archäologische Exkursion – Pettendorf und Michelberg

Am 16. Juni veranstaltete die Marktgemeinde Großmugl eine „Exkursion zur Besichtigung archäologischer Denkmäler in der Umgebung“. Fachkundig begleitet wurde die Exkursion von Dr. Ernst Lauermann und dem Künstler Paul Petritsch, der bereits vorab von der Marktgemeinde und der Landesarchäologie mit diesem Projekt beauftragt wurde (wir berichteten).

Im Zuge dieser Exkursion wurden zwei Standorte besichtigt, zum einen der Tumulus in Pettendorf und zum anderen der Michelberg. Dies sollte den Exkursionsteilnehmern – so der Plan der Veranstalter – ein Beispiel für ein geglücktes und ein misslungenes Beispiel für „Kunst im öffentlichen Raum“ und die Zugänglichmachung eines archäologischen Denkmals verdeutlichen. Anhand dieser Beispiele sollen auch die Möglichkeiten für unseren Leeberg diskutiert werden, was laut Aussage von Bürgermeister Lehner diesen Herbst im Rahmen einer Bürger-Informationsveranstaltung stattfinden soll.

Erster Programmpunkt – Leeberg Pettendorf

Beim Tumulus in Pettendorf handelt es sich ebenso wie bei unserem Leeberg um einen prähistorischen Grabhügel. Allerdings wurde dieser am Wagram gelegene Hügel bewusst zum Bestieg und zur Benutzung ausgelegt. Dies erfolgte teils auf sehr grobe Art und Weise, starke Eingriffe in die Substanz des Denkmals wurden dabei bewusst in Kauf genommen. Das ist unter anderem gut ersichtlich am Aufstieg, der durch eine Metalltreppe ermöglicht wird. Zur Installation dieser Treppe wurde, wo nötig, das Erdreich des Hügels abgegraben (siehe dazu nachfolgendes Bild).

Exkursion Pettendorf: Der Aufstieg zum Leeberg Pettendorf wurde mit einer Metallstiege realisiert
Aufstieg zum Leeberg Pettendorf

Dr. Lauermann stellte sehr bald fest, dass es sich bei diesem Denkmal um das Negativbeispiel für ‚Kunst im öffentlichen Raum‘ handelt. Es bleibt zu hoffen, dass dies die Exkursionsteilnehmer auch ohne diesen Hinweis erkannt haben, denn, so hoffen wir, sollte dieser Tumulus kein Vorbild für unseren Leeberg sein. Wie sehr hier mit dem Drang der Wissensvermittlung übertrieben wurde, zeigen die zahlreichen Infotafeln am Gipfel des Tumulus, die unter anderem über Wikinger Gräber und die Pyramiden informieren. Auch ob die Nutzung eines Denkmals für Sonnwendfeuer angebracht ist, sei in Frage gestellt.

Michelberg – historische Kirche freigelegt

Am nahegelegenen Michelberg wurde von Archäologen eine 30 Meter lange Barockkirche aus dem 13. Jhd freigelegt. Der Bau wurde, so vermuten die Forscher, rund 40 Jahre nach Fertigstellung aufgrund mangelnden Interesses wieder abgerissen. Im Zuge der Grabungen wurden außerdem 200 Kindergräber aus dem 10.  und 11. Jhd entdeckt.

Zur Erhaltung dieser archäologischen Stätte gab es mehrere Möglichkeiten, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Beispielsweise wurde überlegt, die Grabungen gänzlich zu überdachen. Diese Maßnahme hätte allerdings einen starken Eingriff in die Landschaft und das Erscheinungsbild des Michelberg bedeutet, so entschied man sich für eine Maßnahme von ‚Kunst im öffentlichen Raum‘. Dazu wurde die Ausgrabung mit einer Schüttung gesichert und darin eingebettet die Bauabschnitte der Kirche in unterschiedlich gefärbtem Beton dargestellt.

Exkursion Michelberg: Die verschiedenen Zeitepochen wurden mit unterschiedlich farbenem Beton realisiert
Farbliche Darstellung der Kirchenfragmente – Erläuterung auf nebenstehender Informationstafel

Fazit für Großmugl

Auch wenn das Projekt am Michelberg das gelungene Beispiel für ‚Kunst im öffentlichen Raum‘ darstellen soll, ist es als Beispiel für eine brauchbare Lösung zum Schutz unseres Leeberges wohl eher ungeeignet. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen, die an die Benutzung und den Schutz der Denkmäler gestellt werden. Während sich die Darstellung der Barocken Kirche auf einer waagrechten Ebene folgenlos betreten lässt, ist die Benutzung und der Schutz unseres Leeberges als emporragendes Monument einer historisch bedeutenden Epoche unserer Gemeinde ungemein problematischer. Die notwendigen Maßnahmen werden wohl über ein einfaches Schild vor dem Tumulus hinausgehen müssen.

Zum Abschluss erläuterte Paul Petritsch seine Sicht zum Projekt. Dieser ist momentan mit der Fertigstellung von Info-Schildern beauftragt, da seines Erachtens nach der wesentliche Schritt zum Schutz des Leeberges nur mit Bewusstseinsbildung erreichbar ist. Die Schilder sollen anschließend neben dem Leeberg, aber auch im Ortsgebiet von Großmugl angebracht werden und über die Risiken des Bestieges informieren. Interessant ist auch seine nüchterne Analyse zum Engagement der Gemeindeführung. Er ortet diesbezüglich mangelndes Interesse und weißt darauf hin, dass ohne dem absoluten Willen der Gemeindeführung ein Erfolg des Projektes unwahrscheinlich erscheint. Seine Einschätzung begründet er unter anderem mit einem Eintrag auf der Homepage des ORF. In diesem Beitrag wird der beste Blick auf den Sternenhimmel vom Gipfel des Leeberges aus versprochen. Dass es diesbezüglich noch niemand im Gemeindeamt für nötig gehalten hat, beim ORF eine Änderung dieser Textpassage zu beantragen, ortet Petritsch als eines von mehreren Indizien, dass die Relevanz dieses Projektes noch nicht zur Gänze verinnerlicht wurde.

Außerdem wurde sowohl von Dr. Ernst Lauermann als auch von Paul Petritsch darauf verwiesen, dass vor jeder weiteren Handlung klar sein muss, welche Vorstellungen die Gemeinde von diesem Projekt hat. Denn bevor nicht eindeutig geklärt ist, wie die Schwerpunkte zwischen Archäologie und Sternenhimmel verteilt werden, ist jede weitere Planung zwecklos. Die Rückfrage der U.B.L Gemeinderäte Saskia Detz und Jürgen Summerer, ob es zumindest schon ein Treffen gegeben hat, an dem Vertreter der Marktgemeinde, Astronom Günther Wuchterl, Archäologe Lauermann und Vertreter des Bundesdenkmalamtes an einem Tisch gesessen haben, um eventuelle Berührungspunkte in diesem Projekt abzuklären, wurde verneint.

Immerhin konnten wir bei dieser Exkursion in Erfahrung bringen, dass es bereits zumindest eine Stellungnahme von BürgerInnen zu unserem Leeberg gibt und eine weitere noch folgen soll. Über dieses Engagement freuen wir uns sehr und begrüßen noch weitere Stellungnahmen, die HIER an die Gemeinde übermittelt werden können. Wir werden uns selbstverständlich dafür einsetzen, dass das für Herbst anberaumte Bürger-Informationstreffen als aktiver BürgerInnenbeteiligungsprozess stattfinden wird.


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Kunstprojekt zum Schutz des Leeberges

Bei der Gemeinderatssitzung am 28.06.2016 wurde im nicht öffentlichen Teil der Sitzung ein Kunstprojekt vorgestellt, das Besucher des Leebergs und des Sternenwegs davon abhalten soll, den Grabhügel zu besteigen und weiterer Erosion auszusetzen. Die Künstleragentur Six & Petritsch präsentierte dazu ihr Konzept dem Gemeinderat. Die Idee des Kunstwerkes ist ein Konstrukt aus Beton, ein in den Boden gegossener Raster aus Trittpfaden. Dieses Kunstwerk stellt damit ein Bauwerk dar, das die Besucher einladen soll, es zu begehen und eventuell darauf angebrachte Informationen zu konsumieren. Es soll den Besucherstrom lenken und durch die Möglichkeit, es zu betreten, die Besucher vom Bestieg des Leebergs abhalten.

In der Gemeinderatssitzung am 27.September 2016 stellte der Bürgermeister den Antrag, das vorliegende Projekt zu beschließen, den er mit sechs Stimmen dafür und zehn Gegenstimmen eindeutig verlor. Der von der U.B.L Fraktion gestellte Antrag, den Beschluss über dieses Projekt mangels Informationen an Bürger und Gemeinderäte zu vertagen, wurde mit diesem Abstimmungsergebnis angenommen.

Die Vertagung des Beschlusses zu diesem Projekt darf jedoch nicht als prinzipielle Ablehnung gegenüber dem selben verstanden werden, sondern ist viel mehr der Tatsache geschuldet, dass weder den Mandataren ausreichend Informationen bekannt waren, noch wurde es von der Gemeindeführung in Betracht gezogen, die Meinung der Bürger in die Entscheidung miteinzubeziehen.

Garantie für wirkungsvollen Schutz des Leebergs gefordert

Die U.B.L steht grundsätzlich jedem Projekt / Kunstwerk, das es vermag, Besucher wirkungsvoll vom Bestieg des Leeberges abzuhalten, positiv gegenüber. Dementsprechend stellte die U.B.L in der Gemeinderatssitzung den Zusatzantrag, der von sämtlichen Projektwerbern die Garantie einfordert, dass die getroffenen Maßnahmen auch funktionieren. Denn eines ist klar, welche Maßnahme auch immer getroffen wird, schlussendlich muss sie funktionieren und die Besucher davon abhalten, den Leeberg zu besteigen und weiterer Zerstörung auszusetzen. Ebenfalls wurde vom Bürgermeister gefordert, entsprechende Sofortmaßnahmen zu treffen, um den Schutz des Leeberges bis zur Fertigstellung eines konkreten Projektes zu garantieren.

Unter eigenwilliger Auslegung der Gemeindeordnung entschied der Bürgermeister, über diesen Zusatzantrag nicht abstimmen zu lassen. Dies ist bedauernswert, könnte sie doch als Absage gegenüber dem Schutz des Leeberges verstanden werden. Damit ist der sofortige Schutz des Leeberges bis zur Projektrealisierung nicht gegeben. Die Idee, das Projekt im nicht öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung vorzustellen, erweckt den Anschein, dass die Meinungsbildung zu diesem Projekt nicht erwünscht ist.